Informations- und Vernetzungsstelle zur Gesundheitsförderung und Prävention für das Setting stationäre Pflegeeinrichtungen

Anliegen

Das erklärte Ziel ist es, einen strukturellen Aufbau von Gesundheitsförderung und Prävention in der Lebenswelt „stationäre Pflegeeinrichtungen“ zu unterstützen. Hierbei folgt die Stelle dem Setting-Ansatz (1) mit dem Ziel, unter möglichst direkter und kontinuierlicher Beteiligung der Zielgruppen[1] (Partizipation), die jeweiligen Gesundheitspotenziale/-risiken im Setting zu ermitteln. Zugleich sollen organisatorische Prozessveränderungen angeregt und unterstützt werden. Die Zusammenarbeit aller relevanten Akteure, von Seiten der Leistungserbringer- und Kostenträger, ist entscheidend für das Gelingen der Gesundheitsförderung im Bereich der stationären Pflege. Daher fördert die Informations- und Vernetzungsstelle den Aufbau eines sachsenweiten Netzwerks und koordiniert die fachbezogene Kommunikation.

Grundlage

Grundlage für die Schaffung der Informations- und Vernetzungsstelle für Gesundheitsförderung und Prävention in stationären Pflegeeinrichtungen bildete die Landesrahmenvereinbarung Sachsen im Zielbereich „Gesund im Alter“, gemäß § 3 Abs. 3 Buchstabe a Landesrahmenvereinbarung Sachsen in Verbindung mit § 5 SGB XI. Der Leitfaden Prävention für stationäre Pflegeeinrichtungen liefert zudem einen Orientierungsrahmen, um den Ansprüchen des Settings gerecht zu werden. (2)

Arbeitsschwerpunkte

Die Informations- und Vernetzungsstelle stellt eine zentrale Anlaufstelle für Träger stationärer Pflegeeinrichtungen sowie für Akteure in diesem Bereich dar, um bestehende Informationen und Erfahrungen auf Bundes- und Landesebene aus dem Bereich der Gesundheitsförderung und Prävention zu kommunizieren und zu sichern. Drei relevante Handlungsfelder stehen dabei im Fokus aller Bemühungen:

  • psychische Gesundheit, wie z. B. Gewalt in der Pflege, Demenz, Suchtmittelfolgen durch psychotrope Medikamente und Alkohol
  • physische Gesundheit, wie z. B. Mundgesundheit, körperliche Immobilität, Polypharmazie
  • soziale Gesundheit, wie z. B. Förderung der Teilhabe und Selbstbestimmtheit, Schaffung einer Sterbekultur.

Die Handlungsfelder sind das Ergebnis aus einem träger- und fachübergreifenden Zielfindungsprozess, welche unter Einbindung der relevanten Fachexpertisen im Verlauf weiter untersetzt werden müssen.

Arbeitsprogramm

Das Arbeitsprogramm konzentriert sich auf das Setting und dessen Rahmenbedingungen. Neben der Sensibilisierung und Wissensstärkung, steht besonders die fachübergreifende Kommunikation im Fokus aller Bemühungen. Unter partizipativer Einbindung der Akteure werden Bedarfe und Möglichkeiten der Umsetzung von gesundheitsförderlichen und präventiven Maßnahmen aufgearbeitet und bestimmt. Für die Sicherstellung der Ziele werden u. a. regionale und regionsübergreifende Informations- und Erfahrungsveranstaltungen geplant und durchgeführt.

 

Strukturziele Prozessziele/Maßnahmen
Sensibilisierung von Trägern und Akteuren im Bereich stationärer Pflegeeinrichtungen für die Gesundheitsförderung und Prävention Konzeptionierung und Durchführung von Informationsveranstaltungen, Transparenz- und Erfahrungsworkshops
Stärkung des Wissenstransfers aus Erfahrungen vom Einsatz von gesundheitsförderlichen und präventiven Maßnahmen Strukturierte Aufbereitung und Kommunikation von Praxisbeispielen und Erfahrungen aus Bundes- und Landesebene
Implementierung und Verstetigung von gesundheitsfördernden und präventiven Ansätzen Etablierung eines Praxisforums, bestehend aus Heimleitern*innen, um partizipativ die Rolle der Gesundheitsförderung und Prävention für Bewohner, Angehörige und beruflich Pflegende analysieren zu können.
Verbesserung der verbands- und einrichtungsübergreifenden Kommunikation Begleitung und Vernetzung von Kooperationspartnern

 

Hintergrund

Mit Einführung des Präventionsgesetz (PrävG) 2015 wurde erstmals die Gesundheitsförderung und Prävention für stationäre Pflegeeinrichtungen monetär beachtet. (3) Dahinter steckt der Gedanke, dass pflegebedürftige Menschen – trotz ihrer körperlichen, kognitiven oder psychischen Beeinträchtigungen – über Gesundheitspotenziale verfügen, die gefördert werden können. (4)

Die Wichtigkeit von Gesundheitsförderung und Prävention in stationären Pflegeeinrichtungen wird schon länger diskutiert (5) (6), wobei die bestehende Evidenz noch gering ist. Hinzukommt, dass die Umsetzung und Wichtigkeit differenziert von Seiten der Basis angesehen wird. Grundlage der Argumentationen sind dabei u. a. der Gesundheitszustand der Pflegebedürftigen. (7) (8) Indes hat ein Umdenken eingesetzt, hin zu einer stärker auf Prävention und Gesundheitsförderung ausgerichteten Versorgungsgestaltung. (9) (8) Aus Sichtweise der Bewohner bedarf es vor allem Angebote auf psychosozialer und ethisch-moralischer Ebene. (10) Bezogen auf das Feld der betrieblichen Gesundheitsförderung sollten Maßnahmen nicht allein nur auf das Gesundheitsverhalten abzielen, sondern auch auf das Management und die Organisation einer Einrichtung. (11) (12)

Kontakt

Johann Große
Projektkoordinator Informations- und Vernetzungsstelle stationäre Pflegeeinrichtungen
Sächsische Landesvereinigung für Gesundheitsförderung e. V.
Könneritzstraße 5
01067 Dresden
Tel.: 0351 50193653
E-Mail: grosse@slfg.de

 


[1] Zielgruppe sind u.a. Heimleiter*innen, Bewohner*innen, Angehörige und beruflich Pflegende.

Quellen:

  1. BZgA. BZgA – Settingansatz/Lebensweltansatz. [Online] 2018. [Zitat vom: 13. 09 2018.] https://www.leitbegriffe.bzga.de/systematisches-verzeichnis/kernkonzepte-und-entwicklungen-der-gesundheitsfoerderung/settingansatz-lebensweltansatz.
  2. GKV Spitzenverband. Leitfaden Prävention in stationären Pflegeinrichtungen. Berlin : Eigenverlag, 2018.
  3. § 5 SGB XI.
  4. Spitzenverband, GKV. Prävention in der stationären Pflege. [Online] [Zitat vom: 13. 09 2018.] https://www.gkv-spitzenverband.de/pflegeversicherung/praevention_pflege/praevention_stationaere_pflege.jsp.
  5. B. Blättner und A. Grundel. Gewaltprävention: Konzepte frühzeitig erkennen und umsetzen. Pflegezeitschrift. 2018, Bd. 4, 71, S. 34-36.
  6. C. Wöhl, H. Siebert und B. Blättner. Körperliche Aktivität zur Stärkung kognitiver Ressourcen. Systematische Übersicht der Wirksamkeit in Pflegeheimen. Präv Gesundheitsf. 2018, 13, S. 32-38.
  7. A. Horn, M. Brause und D. Schaffer. Gesundheistförderung in der stationären Langzeitversorgung – Ergebnisse einer Expertenbefragung. Präv Gesundheitsf. 2011, S. 262-269.
  8. Blättner, B. et al. Gesundheitsförderung in Pflegeheimen Sichtweisen von Entscheidern. 2018, Bd. 13, 2, S. 146-150.
  9. T. Kleina, M. Cichocki und D. Schaeffer. Potenziale von Gesundheitsförderung bei Heimbewohnern – Ergebnisse einer empirischen Bestandsaufnahme. Pflege und Gesellschaft. 2013, S. 5-18.
  10. S. Schmitt. Gesundheitsförderung für Pflegeheimbewohner? Präv Gesundheitsf. 2013, 8, S. 78-82.
  11. A. Brause, et al. Burnout-Risiko in der stationären Langzeitversorgung. Ressourcen und Belastungen von Pflege- und Betreuungskräften. Präv Gesundheitsf. 2015, 10, S. 41-48.