11. Fachtag „Gesund aufwachsen“ am 19. September 2016 erfolgreich beendet

Artikel von slfg am 20. September 2016


„Miteinander gesund aufwachsen – Vielfalt in Bildung und Gesundheit“ – das war das Motto des diesjährigen 11. Fachtages „Gesund aufwachsen“. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand das Ziel, gesellschaftliche Teilhabe und das Wohlbefinden von Kindern mit unterschiedlichen sozialen Hintergründen frühzeitig zu fördern.

Bereits vor der Zunahme der Zuwanderungsbewegung nach Deutschland lagen zahlreiche Daten und Informationen zu den Merkmalen von ungerechten Bildungs- und Gesundheitschancen in unserer Gesellschaft vor. Die Zuwanderung trifft auf neue und alte Fragen, von denen einige im Rahmen des 11. Fachtages diskutiert wurden.

Nach der Eröffnung der Tagung durch Stephan Koesling (Sächsische Landesvereinigung für Gesundheitsförderung e. V.) und Jörg Stojke (BGW Akademie) folgte ein Grußwort von Barbara Klepsch, Sächsische Staatsministerin für Soziales und Verbraucherschutz.

Eröffnung des 11. Fachtages durch Stephan Koesling, Geschäftsführer der Sächsischen Landesvereinigung für Gesundheitsförderung ©André Wirsig im Auftrag der SLfG

Eröffnung des 11. Fachtages durch Stephan Koesling©André Wirsig im Auftrag der SLfG

Jörg Stojke, Leiter der BGW Akademie - Kooperationspartner des Fachtages - begrüßt die TeilnehmerInnen ©André Wirsig im Auftrag der SLfG

Jörg Stojke begrüßt die TeilnehmerInnen ©André Wirsig im Auftrag der SLfG

Grußwort von Staatsministerin Barbara Klepsch©André Wirsig im Auftrag der SLfG

Grußwort von Staatsministerin Barbara Klepsch©André Wirsig im Auftrag der SLfG

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Eröffnungsvortrag

Ungleiche Teilhabe von Kindern: Probleme, Ursachen und Lösungsansätze
Prof. Dr. Tanja Betz, Goethe-Universität Frankfurt/Main

Prof. Dr. Tanja Betz (Goethe-Universität Frankfurt/Main) stellte in ihrem Vortrag aktuelle Studien zu ungleichen Teilhabemöglichkeiten von Kindern in der Kindertagesbetreuung und in ihren weiteren Lebenswelten vor. Davon ausgehend ging sie auf die Frage ein, wie ungleiche Teilhabe und Bildungsungleichheiten in der frühen Kindheit zu erklären sind und wieso benachteiligende Faktoren über die Zeit oftmals stabil sind. Im Zwischenfazit betonte sie, dass die Probleme ebenso komplex sind wie ihre Ursachen. Die wissenschaftliche Suche nach Gründen ist breit und vielschichtig und deutlich ausbaufähig. Lösungsansätze sind u. a. in den Bildungs- und Betreuungsarrangements, im Wechselspiel von Angebot und Nachfrage von Betreuungsplätzen, in der Zusammenarbeit mit Familien sowie im Rahmen einer praxisbezogenen Perspektive in Bezug auf Kindertagesbetreuung zu finden.

Eröffnungsvortrag „Ungleiche Teilhabe von Kindern: Probleme, Ursachen und Lösungsansätze“ von Prof. Dr. Tanja Betz, Goethe-Universität Frankfurt/M.©André Wirsig im Auftrag der SLfG

Eröffnungsvortrag von Prof. Dr. Tanja Betz, Goethe-Universität Frankfurt/M.©André Wirsig im Auftrag der SLfG


Die Tagungsteilnehmer konnten zum Thema „Chancengerechtigkeit in einer Welt der Vielfalt fördern“ in den Dialog treten mit:

  • AOK PLUS (Heiko Kotte)
  • Sächsischem Staatsministerium für Kultus (Arnfried Schlosser)
  • Landesarbeitsgemeinschaft Inklusion in Sachsen (Christian Eichfeld) und
  • Institut 3L (Jana Juhran)
Chancengerechtigkeit in einer Welt der Vielfalt fördern - Im Dialog mit Vertretern von AOK PLUS, SMK, LAGIS und Institut 3L©André Wirsig im Auftrag der SLfG

Chancengerechtigkeit in einer Welt der Vielfalt fördern – Im Dialog mit Vertretern von AOK PLUS, SMK, LAGIS und Institut 3L©André Wirsig im Auftrag der SLfG

 

 

 

 

 

 

 

 


Am Nachmittag kamen die 170 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in sieben praxisrelevanten Workshops zusammen, um Fragen zu vertiefen, sich mit anderen Fachkräften auszutauschen und sich Anregungen für die eigene pädagogische Praxis zu holen.

Workshop 1: Ernährung – Religiöse, kulturelle und gesundheitliche Vielfalt beim Essen und Trinken in der Kita
Manuela Sorg, Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung Sachsen

Manuela Sorg©André Wirsig im Auftrag der SLfG

Was bedeutet Vielfältigkeit in der Ernährung und wie entwickeln sich Geschmäcker und Ernährungsgewohnheiten? Können religiöse Speisevorschriften in der Kita-Verpflegung berücksichtigt werden? Diesen Fragen gingen die Teilnehmenden im Workshop nach.

Interessiert informierten sich die teilnehmenden Vertreterinnen und Vertreter von Kitas und ihren Trägern über Kriterien für eine ausgewogene und gesundheitsfördernde Verpflegung (DGE-Qualitätsstandard) und gaben gleichzeitig an, dass das Speisenangebot in der Kita-Praxis oftmals an Abwechslung zu wünschen übrig lässt. Gleichzeitig stellen besondere gesundheitliche Ansprüche wie die Berücksichtigung von Lebensmittelallergien und -intoleranzen Caterer und Einrichtungen vor große Herausforderungen.

Die Diskussion verdeutlichte, dass „Essenssperrungen“ bei nicht bezahlten Essensbeiträgen ein allgemein bekanntes Problem darstellt. Soziale Unterschiede wirkten sich auf den gesamten Kita-Alltag aus. Hingegen würden derzeit kaum religiös bedingte Speisenangebote (wie Halal) eingefordert.

Einig waren sich alle darin, dass Kinder von Beginn an – auch was das Verpflegungsangebot betrifft – mit einbezogen werden sollten. Gute Erfahrungen wurden beispielsweise mit bebilderten Speisenplänen gemacht. Durch das Fotografieren der Angebote könnten bereits die Kleinsten bei der Auswahl des Mittagessens mitbestimmen.


Workshop 2: Willkommen in der Kita – Geflüchtete Kinder kommen in der Kita an
Katharina Mecklenburg, Deutsche Kinder- und Jugendstiftung

Katharina Mecklenburg©André Wirsig im Auftrag der SLfG

Was bedeutet interkulturelle Kompetenz in der Kindertageseinrichtung? Wie gestaltet man eine gelingende Zusammenarbeit mit allen Eltern und wie wird eine Kita für Kinder aus Flüchtlingsfamilien zu einem Ort, an dem sie sich willkommen fühlen und auf Bildungsprozesse einlassen können?

Im Mittelpunkt des Workshops standen fachlicher Austausch und praxisnahe Anregungen. Die Referentin stellte Erfahrungen und Lösungsmöglichkeiten der zehn Modelleinrichtungen aus dem sächsischen Modellprogramm WillkommensKITAs vor und gab Einblick in den Praxisalltag von Kitas, die Kinder aus Flüchtlingsfamilien aufnehmen.


Workshop 3: Sprachliche Bildung – Pädagogische Fachkräfte und Eltern bilden gemeinsam
Christine Steinmetzer, Landeskompetenzzentrum zur Sprachförderung an Kindertageseinrichtungen in Sachsen (LakoS)

Christine Steinmetzer©André Wirsig im Auftrag der SLfG

Internationale Studien in der Frühpädagogik zeigen, dass langfristige Erfolge von Fördermaßnahmen in der Kita wesentlich vom Einbezug der Eltern abhängen. Im Workshop erarbeiteten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Ziele und Formen der Zusammenarbeit mit Familien im Kontext sprachlicher Bildung an konkreten Beispielen aus der Praxis. Im Anschluss wurden mögliche Stolpersteine sowie Reflexionsmöglichkeiten von Elternbildungsangeboten besprochen.


Workshop 4: Netzwerke für ein gesundes Aufwachsen
Ruth Gausche und Martina Lück, Universitätsmedizin Leipzig, Projekt „Grünau bewegt sich“

Ruth Gausche und Martina Lück©André Wirsig im Auftrag der SLfG

„Was genau meinen wir, wenn wir von einem Netzwerk sprechen?“ – auf diese Fragestellung konzentrierten sich die beiden Referentinnen aus Leipzig bei der Vorstellung des stadtteilbezogenen Praxis- und Forschungsprojektes zur Kindergesundheitsförderung „Grünau bewegt sich“.

Eine klare Positionierung der unterschiedlichen Partner, verständliche Erwartungsformulierungen und ein belastbares Beziehungsgeflecht konnten im Workshop als wesentliche Indikatoren für das Gelingen von Netzwerkarbeit bestätigt werden. Die Wertigkeit der jeweiligen Einzelziele der Netzwerkpartner und das Finden einer gemeinsamen Ausrichtung wurden hervorgehoben.

Eine eindeutige Verortung der Beteiligten konnte als die wohl wichtigste Voraussetzung für das Gelingen von Netzwerkarbeit festgestellt werden. Dabei wurden die positiven und negativen Seiten einer solchen Festlegung herausgearbeitet und auf die erwartungsgemäß große Verschiedenheit in der Zusammensetzung eines Netzwerks für Gesundheitsförderung eingegangen. Die Teilnehmenden diskutierten ihre Interessen und Erwartungen an Kooperationen und institutionelle Netzwerke und brachten ihre Erfahrungen in den Workshop ein.


Workshop 5: Psychische Belastungen bei der pädagogischen Arbeit – Was ist ok und was zu viel?
Dr. Attiya Khan, Sächsisches Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr

Dr. Attiya Khan©André Wirsig im Auftrag der SLfG

Im Workshop ging es um die typischen Belastungen bei der pädagogischen Arbeit, die sich auf die Psyche auswirken – positiv wie negativ. Wichtig ist erstmal zu erkennen, welche verschiedenen Ursachen psychische Belastungen haben. Dabei wird zwischen Einflüssen der Organisation, Umgebung, Aufgabe und der sozialen Beziehungen unterschieden. In den Diskussionen wurde deutlich, dass nicht alle Menschen gleich auf die psychischen Belastungen reagieren. Das hängt zum Teil auch mit den persönlichen Ressourcen zusammen, die die negative Wirkung mildern können. Vertreterinnen und Vertreter aus Kindertageseinrichtungen und Trägern besprachen, wie sich positive Belastungen vermehren und die negativen Belastungen reduzieren lassen.


Workshop 6: Traumaarbeit – Chancen und Risiken im pädagogischen Handeln
Marika Müller und Wenke Röhner, Deutscher Kinderschutzbund Landesverband Sachsen e. V.

Marika Müller©André Wirsig im Auftrag der SLfG

Wenke Röhner©André Wirsig im Auftrag der SLfG

Traumatisierte Kinder brauchen mehr Verständnis, Sicherheit und Verlässlichkeit als andere Kinder, um sich trotz der destruktiven Erfahrungen gesund entwickeln zu können. Die besondere Situation dieser Kinder erfordert in der Kitapraxis eine Pädagogik, die die Schutzbedürfnisse und Herausforderungen der Kinder in den Blick nimmt.

Im Workshop gingen die Teilnehmenden u. a. den Fragen nach: Was ist ein Trauma und was können traumatische Erlebnisse sein? Was geschieht im Körper? Wie können pädagogische Fachkräfte traumatisierten Kindern in der Kindertageseinrichtung begegnen und welche Möglichkeiten bzw. Grenzen haben sie?


Workshop 7: Vorurteile als Aufgabe in Bildung und Erziehung
Christian Kurzke, Evangelische Akademie Meißen

Christian Kurzke©André Wirsig im Auftrag der SLfG

Der Workshop ermöglichte eine theoretische und praktische Annäherung an die vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung in Kitas.

Zwei Ebenen wurden dabei aufgezeigt: Die pädagogisch-politische Seite mit Blick auf strukturelle Gemeinsamkeiten und Unterschiede sowie die Ebene der individuellen Unterscheidungen, welche die Gruppenzugehörigkeiten des Kindes zuordnet.

Der Ansatz geht davon aus, dass Kinder sich durch verschiedene Gruppenzugehörigkeiten innerhalb der Gesellschaft unterscheiden und dies entscheidend ihre Herkunft benennt und gesellschaftliche Machtverhältnisse sich auch am Bildungsort Kita wieder abbilden. Verschiedene Bezugsgruppen prägen demnach die Identität des Kindes. Vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung sensibilisiert daher die Wahrnehmung des sozialen Status, der Staatsangehörigkeit, der ethnischen Zugehörigkeit, des Geschlechtes, der sexuellen Orientierung und der individuellen Besonderheiten, da diese als Unterscheidungskategorien mit Wertigkeiten in der Gesellschaft verbunden sind.


Der Tag wurde durch das Improtheater „freie Spielkultur“ theatral reflektiert. Drei Schauspieler und eine Schauspielerin improvisierten mit jeweils fünf zentralen Begriffen aus den sieben Workshops eine spannende und unterhaltsame Zusammenfassung der Fachtagung. Neben dem Synchronisationsspiel nutzte das Improtheater auch Replays als Spiel.

Improtheater©André Wirsig im Auftrag der SLfG

Improtheater©André Wirsig im Auftrag der SLfG

 

 

 

 

 

 


Moderiert wurde der 11. Fachtag von Christian Kurzke, Studienleiter Jugend an der Evangelischen Akademie Meißen.

Christian Kurzke von der Evangelischen Akademie Meißen - Kooperationspartner des Fachtages - moderierte die Veranstaltung©André Wirsig im Auftrag der SLfG

Christian Kurzke von der Evangelischen Akademie Meißen – Kooperationspartner des Fachtages – moderierte die Veranstaltung©André Wirsig im Auftrag der SLfG

 

 

 

 

 

 


Bei Interesse an den Vorträgen und Ausarbeitungen zu den Workshops kontaktieren Sie bitte unsere Projektkoordinatorin Susann Larraß.
Kontakt:
Susann Larraß
Tel.: 0351 56355-687
larrass@slfg.de


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Infos zum Tagungsprogramm finden Sie in unserem Flyer >>HIER<<

Grafik_Flyer 2016