MiMi-Fortbildungen in Sachsen beendet – elf Migrantinnen im Hinblick auf Gewaltprävention geschult

Artikel von slfg am 19. Dezember 2016


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Die Zahl der alleinreisenden geflüchteten Frauen und Mädchen in Deutschland steigt stetig. Viele dieser Frauen haben einen großen Leidensweg hinter sich. Das Aushalten der Verhältnisse, Gesetze und Religionsauslegung in ihrem Herkunftsland auf der einen Seite und die zusätzliche Konfrontation von Erniedrigung und Gewalterfahrung während ihrer Flucht auf der anderen Seite, versetzten manche Frauen in lebensbedrohliche Zustände.

Für viele Frauen enden diese Verhältnisse und Probleme auch in Deutschland nicht. So nehmen mit der steigenden Zahl der geflüchteten Frauen und Mädchen in Deutschland auch die Berichte über sexuelle und gewalttätige Übergriffe auf diese Gruppe zu.

Das Vorkommen von Gewalterfahrungen wird nicht nur auf den Personenkreis der Geflüchteten begrenzt. Jedoch ist die Situation der gemischten Aufenthaltsorte vieler Geflüchteter gerade für Frauen unzumutbar. Das Fehlen eines Rückzugsortes und einer Privatsphäre konfrontiert viele Frauen mit bisher erlebten traumatischen Ereignissen und macht sie zudem erneut zu Opfern.

Gewalt ist nicht immer sichtbar und aus diesem Grund müssen den Frauen Unterstützungsmöglichkeiten und das Recht auf ein gewaltfreies Leben vermittelt werden. Für diese Frauen und Mädchen muss ein sicherer und geschützter Ort geschaffen werden.

Das Ethno-Medizinische Zentrum in Hannover startete im Herbst ein neues bundesweites MiMi-Projekt zum Thema Gewaltprävention. Inzwischen gibt es in Deutschland an sechs Standorten Fortbildungen zu diesem Thema. Das Projekt wurde u. a. durch das Bundeskanzleramt finanziert und durch die Sächsische Landesvereinigung für Gesundheitsförderung e. V. (SLfG) in Sachsen koordiniert und umgesetzt.

Das MiMi-Projekt zielt genau darauf ab, geflüchtete Frauen über die Formen von Gewalt und Schutzmöglichkeiten zu informieren und aufzuklären.

Die Teilnehmerinnen konnten sich im Rahmen einer 50-stündigen Schulung im Oktober und November 2016 in Dresden zu interkulturellen MiMi-Mediatorinnen für Gewaltprävention fortbilden.

Die Schulung bestand aus zwei Theorieeinheiten, zwei Seminaren und drei Modulen zur Praxiseinführung. Durch Unterstützung des Frauenschutzhauses e. V. wurden die Grundlagen sexualisierter Gewalt (GBV) vorgestellt. Das Männernetzwerk beschrieb zudem Täterstrategien und mögliche Risikofaktoren für Frauen. Frau E. M. Burger konnte mit ihren Erfahrungen die rechtlichen Aspekte der Schulung abdecken. Mit Hilfe von Medea e. V. wurden Handlungsschemata erarbeitet, welche Aspekte des Hilfeschutzverfahrens, des Selbstschutzes und des Schutzes von anderen beinhalteten. Durch das Ethno-Medizinische Zentrum wurden den Schulungsteilnehmerinnen didaktische Tipps und Methoden zur Durchführung einer Infoveranstaltung gezeigt.

Den Höhepunkt der Schulung bildete der 19.11.2016, an dem elf Mediatorinnen mit einer Abschlusspräsentation die Schulung erfolgreich abschließen konnten. Die abschließende Feedbackrunde zeigte, dass die Frauen ein Hauptziel verband: die Rechte der Frauen zu stärken und sie zu ermutigen, erlebte Gewalt zu thematisieren und sich frühzeitig Hilfe zu holen. Durch dieses gemeinsame Ziel und den Hintergrund der Flucht und Migration fühlen sich die Frauen stark miteinander verbunden. Sie sehen sich „ … als Familie …“, denn innerhalb dieser Gruppe finden sie Gehör, Vertrauen und Anschluss.

Elf Migrantinnen werden nun mithilfe des zur Verfügung gestellten Materials (Wegweiser, Handouts etc.) selbstständig Informationsveranstaltungen für geflüchtete Frauen und Mädchen in ihrer Herkunftssprache durchführen. Bisher stehen fünf Termine für Infoveranstaltungen fest. Diese werden in einem Flüchtlingsheim, in einer Kirche und beim Caritasverband in Chemnitz stattfinden.

Kontakt:
Projektkoordinatorin Nadine Lange
Tel.: 0351 501936-00
lange@slfg.de