Neues aus dem Projekt Stress-Rekord

Artikel von slfg am 5. April 2018


Kongress Pflege 2018

Vom 19.-20.01.2018 fand der Pflegekongress in Berlin statt. Das Projektteam Stress-Rekord nahm teil und konnte sich hier mit den aktuellen Trends im stationären und ambulanten Pflegesektor vertraut machen. Ein zentrales Thema zog sich durch die zweitägige Veranstaltung: „Fachkräftemangel und Mitarbeiterfluktuation“. Die Pflegekraft gerät laut Jana Luntz (Pflegedirektorin des Universitätsklinikum Dresden) in einen Konflikt: Man möchte „… mit und für Menschen arbeiten … und nicht von seinen Werten abweichen …“. Da viele Pflegekräfte aufgrund der aktuellen Lage dies aber nicht mehr erreichen können, kommt es oft zu physischen und psychischen Belastungen, was wiederum häufig eine Kündigung mit sich zieht. Judith Heepe, Pflegedirektorin am Berliner Universitätsklinikum Charité, wiederum spricht sich für die Beachtung älterer Pflegefachkräfte aus. So sind diese oft körperlich stark überlastet – in der Regel aber psychisch belastbarer. Am zweiten Tag des Kongresses standen verschiedene Workshops im Vordergrund. Im Workshop „Gesund Führen“ von Dr. Detlef Krause wurde Führungsverhalten als essentielle Gesundheitsressource diskutiert. So bewirken soziale Unterstützung, Mitbestimmung und Beteiligungsmöglichkeiten, Anerkennung und Wertschätzung sowie Kommunikation mit Vorgesetzten einen deutlich geringeren Krankenstand, geringe Fluktuationszahlen, psychische Gesundheit, weniger Stress und Zufriedenheit. Die Frage, was es so schwer macht, gesunde Führung in den Arbeitsalltag zu integrieren, bestimmte die Hauptzeit des Workshops. Der Zeitfaktor und Überarbeitung wurde als einheitliches Ergebnis deklariert. Abschließend kam man auf den Begriff „Wertschätzung“ zurück und deutete ihn als wichtigste Gesundheitsressource, die man im Unternehmen haben kann.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Teilnahme am Kongress Pflege 2018 das Projektvorhaben bestärkt. Der ärztliche Direktor Prof. Dr. Axel Ekkernkamp vom Unfallkrankenhaus Berlin bezeichnete die Digitalisierung in der Pflege als große Hilfestellung, betonte aber, dass die Arbeitssituation auch in der nicht digitalen Welt attraktiv bleiben muss. Und genau dieser Satz bekräftigt das Projektziel, es soll eine Erleichterung und Hilfestellung in Form eines Lernspiels dargeboten werden, welches die Führungskraft für die Belastungen der Pflegekräfte im realen Pflegealltag sensibilisiert und so eine verbesserte Pflegesituation in den Unternehmen schafft.


UAG Leipzig

Am 05. Februar 2018 lud die UAG „Gesundheitliche Versorgung“ Leipzig erneut ein, um die Neuheiten im Projekt Stress-Rekord vorstellen zu dürfen. Vertreten waren neben der Leiterin der UAG Frau Kluge auch die Pflegekoordinatorin Leipzig Frau Koch sowie weitere Vertreterinnen der IKK classic und der AOK-Pflegeberatung. In der Präsentation konnten erste Spielszenarien und die Spielumgebung gezeigt werden. Somit konnten die Handlungsfelder des Spielers im Spiel besser veranschaulicht werden. Der anschließende Diskurs warf wichtige Punkte und Fragen auf, welche das Stress-Rekord-Team in die finale Spielkonzeption einfließen lassen möchte bzw. in die Öffentlichkeitsarbeit, um den Zugang zum Spiel einfacher zu machen. So gilt es zu bedenken, dass eine Sensibilisierung einer Führungskraft theoretisch nur dann möglich ist, wenn die Führungskraft bereits sensibilisiert ist. Das heißt, es gilt im Vorfeld zu überlegen, wie ein einfacherer Zugang zum Spiel gefunden werden kann, um ein gewisses Bewusstsein schon im Vorfeld zu schaffen. Nun gilt es zu diskutieren, wann Sensibilisierung anfängt und wie individuell der Zugang sein muss. Prinzipiell wird eine Führungskraft das Spiel eher spielen, wenn sie im Grunde genommen schon aufgeschlossen gegenüber solchen Maßnahmen ist. Des Weiteren wünschten sich die Anwesenden ebenfalls im Spielgeschehen eine Art Chatfunktion, mit der man Erfahrungen austauschen kann, um einerseits im Spielverlauf sowie in der Pflegepraxis davon profitieren zu können. So kann der Spieler auch im Realen bei einer Maßnahmenumsetzung in seinem eigenen Pflegebetrieb unterstützt werden. Zum anderen ist zu überlegen, ob man im Spiel einen direkten Verweis auf z. B. Praxisleitfäden, Leitlinien oder Ähnliches angibt, um direkt die Möglichkeit auf Hilfe von außen anzugeben. Auch dieser Vortrag unterstützte das Stress-Rekord-Team weiterhin in der Spielkonzeption und brachte viele interessante Denkanstöße mit sich.


BAuA Fachveranstaltung: „Digitalisierung in der Pflege“

Am 28. Februar 2018 fand bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin ein Fachtag zum Thema „Digitalisierung in der Pflege“ statt. Auch das Stress-Rekord-Team war vor Ort und wurde mit den neuesten Innovationen und Start-Up-Unternehmen vertraut gemacht.

Frau Dr. Marlen Melzer, welche sich mit den Themen der psychischen Belastungen am Arbeitsplatz innerhalb der BAuA beschäftigt, führte an dem Tag durch die Veranstaltung. Ihre Kollegin Frau Dr. Ulrike Rösler präsentierte den Teilnehmern fünf Thesen, welche im Rahmen einer Befragung im Pflegesektor zum Thema „Digitalisierung 4.0 im Sektor Pflege“ immer wieder auftauchen:

  1. „Die Pflege will die Technik nicht!“

Diese These konnte Frau Dr. Rösler anhand ihrer Erhebung belegen und kam zum Entschluss, dass die Pflege in erster Linie mit Menschen arbeite möchte. Prinzipiell haben Pflegende eine geringere Affinität gegenüber der Technik als andere Berufsgruppen. Jedoch sprachen sich insgesamt 87 % der Befragten für moderne Technik in der Pflege aus.

  1. „Die Pflegebranche hängt in der Digitalisierung hinterher!“

Diesen Punkt bestätigt Frau Dr. Rösler. Die Pflege möchte sich für eine Digitalisierung öffnen und geht schon erste Schritte, hängt aber gegenüber anderen Berufszweigen hinterher.

  1. „Die Digitalisierung wird in der Pflege Arbeitsplätze kosten!“

Um diese These zu beantworten, wurde der „Job-Futuromat 2018“ (https://job-futuromat.iab.de/) genutzt. Dieser berechnet, welche Tätigkeiten im Job heute schon ein Roboter erledigen könnte. Bei dem Beruf „Gesundheits- und Krankenpflegehelfer/-in“ können aktuell weniger als 30 % der Tätigkeiten durch einen Roboter übernommen werden.

  1. „Digitalisierung in der Pflege sorgt für mehr Zeit mit den Pflegebedürftigen!“

28 % der befragten Pflegekräfte finden, dass der Einsatz von moderner Technik ihnen aktuell mehr Zeit mit den zu Pflegenden ermöglicht. 

  1. „Digitalisierung wird für gute Arbeit in der Pflege sorgen!“

Ein Großteil der Befragten fand, dass durch die Digitalisierung mehr Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz erreicht werden kann. Jedoch sagte etwa die Hälfte, dass so auch mehr Zeitdruck, Stress und eine verstärkte Leistungskontrolle auftreten werden. Zudem denkt ein Großteil der Pflegekräfte, dass die Digitalisierung in den nächsten Jahren trotzdem eine zusätzliche Personaleinsparung mit sich bringt.

Nach der Präsentation dieser Thesen ist das Stress-Rekord-Team bestrebt, den Spielern der Lernumgebung auch im Bereich „Digitalisierung in der Weiterbildung von Führungs- bzw. Pflegekräften“ den Unterstützungswert zu verdeutlichen und ähnliche Thesen im Vorfeld zu entkräften. Im Rahmen des abschließenden Networking-Buffets konnte unser Team weiterführende Kontakte im Pflege- und Arbeitsschutzsektor knüpfen.


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Nadine Lange
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