Pflegepolitischer Abend für Sachsen – Gesundheitsförderung und Prävention in der Pflege

Artikel von slfg am 22. August 2018


Der Gesundheits- und Pflegesektor in Sachsen steht derzeitig großen Herausforderungen gegenüber. Hintergrund sind der steigende Bevölkerungsanteil älterer Menschen und der zunehmende Fachkräftemangel. Als Kooperationsveranstaltung der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) und der Sächsischen Landesvereinigung für Gesundheitsförderung e. V. (SLfG) fand am 15. August 2018 ein pflegepolitischer Abend für Sachsen statt. Fokus der Veranstaltung war die Gesundheitsförderung und Prävention für beruflich Pflegende.
Leitfragen des Abends waren u. a. Wie kann die Beschäftigungsfähigkeit unter den derzeitigen Voraussetzungen gesichert werden? Welche Rahmenbedingungen sind hierfür erforderlich? Welche Angebote gibt es? Was braucht es zusätzlich?

Für den offenen Dialog an diesem Abend waren vier bereichsübergreifende Referentinnen und Referenten eingeladen: Oliver Wehner, Vorsitzender der Enquete-Kommission „Pflege“ Sachsen; Matthias Steindorf, Vertreter der LIGA der freien Wohlfahrtspflege; Silke Heinke, alternierende Vorsitzende des Steuerungsgremiums der Landesrahmenvereinbarung Sachsen und Gottfried Linke, Heimleiter einer DRK Senioreneinrichtung in Sachsen. Erhard Weiß, Beauftragter für gesundheitspolitische Kooperationen in der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege, führte durch den Abend.

Im ersten Teil der Veranstaltung legten alle Impulsgeber ihre Sichtweise im Hinblick auf die Problematik offen. Oliver Wehner berichtete aus der Enquete-Kommission „Pflege“, wo die Gesundheitsförderung für professionell Pflegende einen großen Bereich einnimmt.

Oliver Wehner (Enquete-Kommission)©SLfG

Auf Basis der ressortbedingten Gegebenheiten, wie z. B. hoher personeller Verschleiß, hohe Teilzeitquote und niedrige Bezahlung, sollte alles Mögliche unternommen werden, um die Gesundheit von Pflegebedürftigen und Pflegenden zu sichern. Er plädierte zudem für ein besseres Image für den Bereich der Altenpflege. Des Weiteren müssten die bisherigen Prüfregularien hinterfragt werden, welche den pflegeleistungserbringenden Einrichtungen vorgeschrieben sind.

 


Matthias Steindorf hob die zielorientierte Zusammenarbeit aller Akteure in den Fokus seiner Ausführungen. Zusätzlich verdeutlichte er, dass auf Seite der Leistungserbringer mehr Zeit für die Erfüllung der Pflegeleistungen von Nöten ist. Aus seiner Sicht ist auch die Verbesserung des Images der Pflege für das weitere Gelingen notwendig.

Matthias Steindorf (LIGA)©SLfG


Silke Heinke präsentierte die sächsische Präventionsstrategie auf Basis der Landesrahmenvereinbarung Sachsen. Hieraus wurden zwei elementare Ziele und Ergebnisse für den Bereich der Gesundheitsförderung im Alter definiert. Zum einen wird eine Informations- und Vernetzungsstelle für stationäre Pflegeeinrichtungen eingerichtet, welche die Akteure noch enger zusammenbringen soll. Darüber hinaus steht die Sensibilisierung für das Thema Gesundheitsförderung im Fokus. Als zweites sollen die regionalen Akteure durch Workshops mehr vernetzt und für Gesundheitsförderung und Prävention für die älteren Bürgerinnen und Bürger sensibilisiert werden. Der Kerngedanke beider Ziele und die der Landesrahmenvereinbarung ist, eine engere Kooperation aller Partner im Bereich der Pflege und Versorgung zu erzielen.

Silke Heinke (LRV)©SLfG


Gottfried Linke, krankheitsbedingt vertreten durch Stephan Koesling (Geschäftsführer der SLfG), zeigte auf, welche Maßnahmen in seinem Haus (DRK-Seniorenzentrum „Herbstsonne“ in Freital) umgesetzt wurden. Er betonte hierbei die Wichtigkeit der Fürsorge für die Pflegenden. Dabei verwies er auf die Beendigung der Negativpresse, die Anhebung der Personalschlüssel sowie den Abbau von Bürokratie und der zahlreichen Prüfinstanzen.

Gottfried Linke (DRK)©privat

Stephan Koesling (SLfG)©SLfG

 


Gemeinsam mit den Gastgebenden, Hanka Jarisch, Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege und Lars Rohwer, Präsident der Sächsischen Landesvereinigung für Gesundheitsförderung, diskutierten Referentinnen und Referenten sowie Gäste darüber, welche Verbesserungen notwendig sind, um Gesundheitsförderung für die Pflegenden und für das System sichern zu können.

Hanka Jarisch (BGW) und Lars Rohwer (SLfG)©SLfG

Hierbei erörterten Vertreterinnen und Vertreter von Politik, Leistungserbringern, Kostenträgern, Rentenversicherung, berufspolitischen Verbänden, Landkreisen sowie Sozial- und Arbeitsministerium, welche Basis bereits existiert. Deutlich wurde, dass ein höheres Bewusstsein für Gesundheitsförderung und Prävention geschaffen werden muss. Hierfür bedarf es einer Qualitätsoffensive im Bereich der Pflege. Vertretende der Leistungserbringer verwiesen darauf, dass eine finanzielle Aufwertung, verbunden mit einer staatlichen Regulierung und Verantwortungsübernahme, unabdingbar für das weitere Gelingen „System Pflege“ ist. Auch Gesundheitsförderung und Prävention von pflegenden Angehörigen muss mehr in den Fokus weiterer Anstrengungen rücken. Die Deutsche Rentenversicherung machte auf ihre Leistungen im Bereich der Betrieblichen Gesundheitsförderung aufmerksam, u. a. Präventionskuren, welche bisher wenig nachgefragt und genutzt werden.

Stephan Koesling (SLfG), Oliver Wehner (Enquete-Kommission), Hanka Jarisch (BGW), Matthias Steindorf (LIGA), Silke Heinke (LRV), Lars Rohwer (SLfG)©SLfG

Der Konsens der Teilnehmer lag darin, dass eine engere Verzahnung von Gesundheitsförderung für zu pflegende Menschen und der Betrieblichen Gesundheitsförderung, für die professionell Pflegenden, ein wichtiger Baustein für das Fortbestehen und die Qualitätsentwicklung im „System Pflege“ ist. Ein erster Schritt ist dabei die enge Verzahnung der Informations- und Vernetzungsstelle für stationäre Pflegeeinrichtungen und der Informationsstelle Betriebliche Gesundheitsförderung für Klein- und Mittelunternehmen. Die diskutierten Anregungen werden nun in die Gremien der Landesrahmenvereinbarung zum Präventionsgesetz eingebracht, um konkrete Umsetzungsschritte zu planen.

Kontakt:

Johann Große
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