3. Fachtagung Kita- und Schulverpflegung am 6. November 2017 mit 200 Tagungsgästen erfolgreich

Artikel von slfg am 9. November 2017


Rund 200 Gäste – darunter Speisenanbieter, Vertreter von Kitas, Schulen, Städten, Gemeinden und freien Trägern, Vereine und Fachleute – besuchten am 6. November die 3. Fachtagung Kita- und Schulverpflegung, die im Rahmen der Fachmesse für Gastgewerbe und Ernährungshandwerk „Iss gut“ stattfand.

Die diesjährige Tagung stand unter dem Motto „Vielfalt schmecken + entdecken“ und wurde von der Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung in Kooperation mit der Leipziger Messe veranstaltet.

Eröffnet wurde die Veranstaltung mit Grußworten von Markus Geisenberger, Geschäftsführer der Leipziger Messe GmbH, und Lars Rohwer, Präsident der Sächsischen Landesvereinigung für Gesundheitsförderung e. V. (SLfG).

Den Fragen zur Ernährung, der Ernährungsbildung und dem Präventionsgesetz stellten sich die Sächsische Staatsministerin Barbara Klepsch und Dr. Fabian Magerl, Landesgeschäftsführer der BARMER und Mitglied des Steuerungsgremiums der Landesrahmenvereinbarung (LRV).

„Bei der Schuleingangsuntersuchung hatten im vergangenen Jahr neun Prozent aller Kinder Übergewicht. In Klassenstufe sechs waren es schon 16 Prozent. Es ist zwingend notwendig, sich bei dem Thema gemeinsam auf den Weg zu machen bis ins hohe Alter“, so die Sächsische Staatsministerin Barbara Klepsch. „Die Vorbildfunktion von Eltern und Großeltern spielt eine große Rolle. […] Die Rahmenbedingungen müssen stimmen. Auch wir in der Politik müssen hinterfragen, ob das Thema Förderung eine Rolle spielt“, so die Ministerin weiter.

Dr. Fabian Magerl, Landesgeschäftsführer der BARMER und Mitglied des Steuerungsgremiums der Landesrahmenvereinbarung (LRV) zieht eine Zwischenbilanz: „Das Präventionsgesetz hat uns vorsichtig motiviert, Prozesse zu organisieren und zu erarbeiten, damit wir die Menschen erreichen, die bisher nicht erreicht wurden.“

Gesprächsrunde: v. l. n. r. Staatsministerin Barbara Klepsch, Moderatorin Manuela Stamm und Dr. Fabian Magerl©André Wirsig im Auftrag der SLfG

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mit dabei waren ebenfalls Leon Köhler als Vertreter des Landesschülerrats Sachsens, Petra Elias als Vorsitzende des Stadtelternrates Leipzig, Angela Mittag vom Amt für Bildung, Kultur und Soziales der Stadt Riesa und Petr Matatko, Geschäftsführer des Unternehmens Bürgerhaus Lützschena.

Gesprächsrunde v. l. n. r. Leon Köhler, Petra Elias, Manuela Stamm, Angela Mittag und Petr Matatko©André Wirsig im Auftrag der SLfG

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Als Vertreter der Schülerschaft betonte Leon Köhler, dass es nicht stimmt, dass Schüler und Schülerinnen kein gesundes Essen mögen; die Pausenzeiten und der Mangel an Sitzplätzen in Schulmensen seien jedoch ein ernstes Problem: „Man merkt es Schülern und Schülerinnen an, wenn sie abgehetzt aus der Mittagspause kommen, … und Lehrern im Übrigen auch.“

„Oft beteiligen sich Lehrer nicht an der Schulspeisung. Wenn das pädagogische Personal am Essen teilnimmt, dann essen auch mehr Schüler und Schülerinnen mit“, ergänzte Petra Elias als Vorsitzende des Stadtelternrates Leipzig, der eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen hat, die sich ausschließlich mit dem Thema Schulspeisung befasst.

Vorgestellt wurden auch die Ergebnisse einer Speisenplanauswertung an sächsischen Kitas. „Diese Auswertung hat gezeigt, dass die Kita-Menüpläne von den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung noch ein Stück entfernt sind. Und es braucht unsere gemeinsame Anstrengung, hier besser zu werden“, appelliert Gesundheitsministerin Klepsch an die Tagungsteilnehmer. „Denn die Mahlzeiten in Kitas sollen nicht nur satt machen, sondern unsere Kinder ausgewogen und ausreichend mit Nährstoffen versorgen und natürlich schmecken.“
Link zur Erhebung: https://www.medienservice.sachsen.de/medien/news/214361/assets

Als Mitveranstalter präsentierte sich die Sächsische Landesvereinigung für Gesundheitsförderung e. V. (SLfG) mit ihrem Projekt Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung in Sachsen. Pünktlich zum Fachtag wurde eine Speisenanbieterdatenbank freigeschaltet, die Einrichtungen, Kommunen und Eltern die Suche nach einem geeigneten Anbieter in der Region erleichtern soll. Neben der Umkreissuche können weitere Optionen abgefragt werden, z. B., ob die verwendeten Produkte Bio, saisonal oder regional sind.
Link zur Speisenanbieterdatenbank: https://www.vernetzungsstelle-sachsen.de/netzwerk/speiseanbieterdatenbank/

Die neue Speisenanbieterdatenbank präsentiert Manuela Sorg von der Vernetzungsstelle©André Wirsig im Auftrag der SLfG

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Frau Prof. Christine Brombach von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften stellte den Ansatz des Nudgings („Anstupsen“) in der Kita- und Schulverpflegung vor, bei dem es um eine positive Beeinflussung des Essverhaltens ohne gehobenen Zeigefinger geht. So könne die Akzeptanz „gesunder“ Lebensmittel bei Schülerinnen und Schülern beispielsweise durch die Anordnung von Speisekomponenten an der Essensausgabe verbessert werden.

In sieben praxisrelevanten Foren konnten sich Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Nachmittag vertiefend mit anderen Fachkräften austauschen. Die (Foren)-Themenvielfalt reichte von der „Vergabe der Verpflegungsleistung“ über den „Weg zur gesunden Mensa“ bis hin zur „Zertifizierung“.

Die Fachtagung profitierte von einem breiten und interessierten Publikum. „Die Ergebnisse der Speisenplanauswertung und die Diskussionen im Rahmen der Veranstaltung haben gezeigt, dass ein Umdenken bezüglich der Qualität von Kita- und Schulverpflegung bereits stattfindet und zahlreiche Akteure sich bereits seit Jahren für eine gesundheitsfördernde Kita- und Schulverpflegung einsetzen“, resümiert Manuela Sorg von der Vernetzungsstelle. „Damit das vorhandene Engagement zahlreicher Akteure nicht ‚verpufft‘, ist es wichtig, dass die Verpflegung in Kita und Schule in den Programmen der Einrichtungen verankert ist.“

Um Qualität in der Kita- und Schulverpflegung dauerhaft zu etablieren, bedarf es geregelter Verantwortlichkeiten und Kommunikationswege zwischen den Akteuren. Im Rahmen eines Modellprojekts begleitet die Vernetzungsstelle die Stadt Riesa zwei Jahre bei der Verbesserung und Sicherung der Qualität in der Kita- und Schulverpflegung. „Ziel ist es, übertragbare Ergebnisse zum Aufbau von Kommunikationsstrukturen und zum Einsatz von Instrumenten zur Qualitätssicherung zu gewinnen, die auch anderen sächsischen Kommunen zu Gute kommen“, so Sorg.